Rede Joachim Hickisch zur Oberstufe der IGS

Rede des Ratsherren Joachim Hickisch zur Oberstufe an der IGS

Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender, sehr geehrter Herr Bürgermeister,
verehrte Mitglieder der Verwaltung, verehrte Zuhörer, liebe Ratsmitglieder!

Die IGS, unsere städtische Schule mit fast 500 Schülerinnen und Schülern ist eine absolute Bereicherung für Rotenburg! Deutschland, und damit auch Rotenburg, brauchte und braucht einen schulpolitischen Wandel, eine Änderung der Schullandschaft! Es wäre schön, von allen, ich betone es ausdrücklich, von allen Ratsvertretern auch einmal Worte der Anerkennung für das bisher erreichte – durch die gesamte Schulgemeinschaft (Kollegium, Schülerschaft und Elternschaft), – zu hören!

Zur Erinnerung: Jahrzehntelang hielten die von der CDU und FDP geführten Landesregierungen am dreigliedrigen Schulsystem fest, mit haushohen Hürden für Gesamtschulen. Ich denke dabei auch an meine 20-jährige Erfahrung als Lehrervertreter im Kreisschulausschuss, bei der auch Kreisverwaltung und Kreispolitiker der CDU-Mehrheitsfraktion massiv die Initiative der Samtgemeinde Bothel, die wie eine Eins geschlossen hinter der Idee IGS stand, zu verhindern suchten.

Erst nach der Abstimmung der Eltern mit den Füßen, der Verfall der Hauptschulen zur Restschule für abgehängte Jugendliche und immer mehr Initiativen pro Gesamtschulen kam es zur Oberschulenbildung. Rotenburg hat sich, meiner Meinung nach „Gott sei Dank“, für eine Integrierte Gesamtschule entschieden. Laut Gesetz ermöglicht der Besuch einer IGS alle allgemeinen Schulabschlüsse, also auch die allgemeine Hochschulreife, – sprich Besuch der gymnasialen Oberstufe.

Von rund 150 Gesamtschulen haben die Landeschulbehörden bis zum Schuljahr 2017/2018 fast für fünfzig Schulen die Genehmigung für eine Oberstufe erteilt, darunter Oyten, Lilienthal und Buxtehude, Tendenz steigend. (…) Viele IGS sind, nach Wegfall der hohen Hürden, erst vor wenigen Jahren entstanden. Daher stehen Oberstufen auch erst in nächster Zeit an.

Soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, gab es nirgends ein auch in Rotenburg herbeigeredetes „Sterben“ der allgemeinen Gymnasien oder Berufsbildenden Gymnasien, Kooperation, Zusammenarbeit steht im Vordergrund!

Das Grundmodell einer IGS ist, mit einfachen Worten umschrieben:
Die Gesamtschule arbeitet mit Kindern und Jugendlichen aller Leistungsstärken und hält Laufbahnentscheidungen möglichst lange offen.
Die Schülerinnen und Schüler lernen miteinander und voneinander; sie werden individuell und gezielt gefördert. Lernen braucht über den Unterricht hinaus Zeit, deshalb ist diese Schulform eine gebundene Ganztagsschule.

Für das Lernen mit- und voneinander braucht es aber eine gute Durchmischung, starke und schwache Schüler, gerade für die hohe Zahl der Spätentwickler, d. h. Schülerinnen und Schüler, die erst in späteren Klassen ihre wahre Leistung entwickeln, bietet die IGS damit wirkliche Bildungschancen. Eine längere gemeinsame Beschulung wirkt sich positiv für alle aus! Viel zu viele Jugendliche sind bisher vom tradierten Bildungssystem abgegehängt worden, eine lebendige IGS mit Oberstufe macht auch das örtliche Bildungssystem durchlässiger, eröffnet auch für Rotenburg Chancen!

Und, ich spreche es deutlich aus, auch ein Kind von einer alleinerziehenden Mutter, die vielleicht als Putzfrau arbeitet, sollte die Chance erhalten, wenn leistungsmäßig die Möglichkeit besteht, auf seiner Schule das Abitur zu machen.

Niemand bestreitet die gute Arbeit des Ratsgymnasiums oder des Beruflichen Gymnasiums – ich habe dort 31 Jahre lang das 1. Leistungsfach unterrichtet und hunderte Schüler, auch als Tutor, zum Abitur geführt. IGSen arbeiten vielleicht anders, aber genauso erfolgreich!

Natürlich: Bildung kostet Geld! Ist aber gut angelegtes Geld. Realschule und Hauptschule waren marode, die Neu- und Umbauten ermöglichen guten Unterricht für Jahrzehnte! Die Mehrheitsfraktion im Kreistag baut die mit Abstand kleinste Berufsschule und das mit Abstand kleinste Gymnasium in Bremervörde für 65 Millionen + X neu. Die Kosten zahlen auch die Rotenburger, nicht Herr Rinck oder Landrat Luttmann, ein sinken der Kreisumlage und damit eine Entlastung des Rotenburger Haushalts wird dadurch verhindert! Die Ausgaben für Bremervörde können durchaus berechtigt sein, aber auch andere Schulen schreien nach Erneuerung, so würde sich viele Klassenräume der BBS Rotenburg freuen, wenn sie zum zweiten Mal, d. h. nach der Erbauung im Jahre 1971, gestrichen werden. Das Lamentieren ist daher scheinheilig.

Es gab viele Bedenken, vielfach wurde zudem mit bösartigen Unterstellungen gearbeitet, ich verweise nur auf die unsäglichen Debatten um Äußerungen des Stadtelternrates. Auch die bisherigen Gymnasien könnten schon heute kooperieren (Domgymnasium, Viti-gymnasium, Ratsgymnasium). Von Visselhöveder Oberschülern wird schließlich auch erwartet das sie auf eigene Kosten (keine Fahrkostenübernahme bei SEKII-Besuchen) die BBS in Rotenburg besuchen. Auch in Rotenburg brauchen wir Ideen wo wir bildungspolitisch hin möchten, wo wir in zwanzig oder dreißig Jahren bildungspolitisch stehen möchten, nur den Status quo verwalten „Bewährtes bewahren“ führt uns nicht weiter!

„Angst fressen Seele auf“ lassen Sie sich nicht davon leiten– unterstützen Sie die Bildung einer gymnasialen Oberstufe an der IGS in Rotenburg, – respektieren Sie den Elternwillen!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

(Wiedergabe des Manuskriptes, das gesprochene Wort kann davon abgewichen sein)

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