Integration und multikulturelle Gesellschaft

Rotenburg ist eine Stadt, in der Integration und Inklusion zum Selbstverständnis der meisten Bürger gehört. Dazu tragen nicht zuletzt die Rotenburger Werke mit ihrer hervorragenden Arbeit bei – aber auch andere Einrichtungen, Initiativen und ehrenamtlich engagierte. Trotzdem bleibt Rotenburg von der Tendenz zum Erstarken rechter, nationalistischer und Ausgrenzender Ideologien nicht verschont.

Vielfach wird „Mulitkulturalismus“ auch „MultiKulti“ als Ideologie bezeichnet, die Deutschland gefährdet oder schaden kann. Fakt ist, dass Rotenburg heut schon eine multi-kulturelle und auch multi-religiöse Stadt ist. Wir haben Mitglieder der verschiedensten Religionsgemeinschaften: Protestanten, Katholiken, Freikirchliche, Zeugen Jehovas, Muslime, Buddhisten und neben vielen säkularen Mitgliedern von Glaubensgemeinschaften auch Atheisten und Humanisten, die sich keiner Religion zugehörig fühlen.

Viele Menschen, die heute in Rotenburg leben, sind nicht in Rotenburg geboren. Alle Zugezogenen bringen ihre Traditionen und Wertvorstellungen mit und erweitern die Vielfalt. So hat Rotenburg nach dem Fall der Mauer viele neue Bürger aus den heutigen neuen Bundesländern aufgenommen und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion viele Spätaussiedler und Russlanddeutsche. In den Jahren des Wirtschaftwunders gab es z.B. einen Zuzug von Menschen aus dem Mittelmeerraum und während und aus der Zeit nach dem Krieg in Jugoslawien kamen z.B. Menschen aus dem Kosovo, und Bosnien. Die Stationierung von Soldaten anderer Nato-Länder in der Umgebung von Rotenburg brachte einige neue Bürger aus den Niederlanden, England und Irland nach Rotenburg.

In diese bereits vielfältige Umgebung kommen in der letzen Zeit Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Afrika dazu, viele mit Wurzeln in islamisch geprägten Kulturen.  In einigen Teilen der Bevölkerung wird dem merkelschen Satz „Wir schaffen das“, zorning entgegen gebrüllt: „Wir wollen das aber gar nicht schaffen!“. Ideologien einer völkisch-nationalistisch verstandenen dominanten „(Mono-) Kultur der Deutschen“, an die sich anzupassen ist, erfahren Zuspruch.

In dieses Spannungsfeld wird die Forderung nach „Integration“ geworfen. Diese Forderung stellt uns als Gesellschaft und als Bürger der Stadt Rotenburg vor eine große Herausforderung.

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Unter einem Pseudonym werden fremdenfeindliche Aussagen verbreitet

Oft wird Integration sehr einseitig betrachtet und man sucht sich diese eine Gruppe heraus – die Flüchtlinge – die in der Wahrnehmung einiger als unpersönliche Welle oder Masse über uns „Stammbesatzung“ hereinbrechen oder die Mitglieder einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder Menschen, die sich überwiegend in Umgebungen bewegen, in denen eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird. Anderen erscheint die Gruppe der Fremdenfeinde mit rassistischen Tendenzen als die Gruppe, die zu integrieren ist, da von ihr eine gewisse Sprengkraft auszugehen droht. So fiel in der Rotenburger Facebook-Gruppe eine (unter einem Pseudonym auftretende) Person auf, die vorschlug, die Lent-Kaserne in ein KZ umzuwandeln und in anderen Posts forderte, Flüchtlinge zu vergasen. Viele Anhänger einer völkisch-nationalistischen Ideologie betrachten sich selbst als Mitglied einer Randgruppe, die für sich kulturelle Dominanz aus einem Geburtsrecht heraus reklamiert. Radikalisierung wird durch das Gefühl begünstigt, benachteiligt zu werden. Populisten nutzen Ängste, um Stimmen zu fangen. Daher muss sich die Aufgabe der Integration sowohl denen widmen, die tatsächlich benachteiligt oder ausgeschlossen oder an den Rand gedrängt werden, wie auch denen, die in Angst leben, an den Rand gedrängt zu werden, z.B. durch Alterarmut oder Arbeitsplatzverlust oder soziale Isolation.

Integration ist daher im weiteren Sinne eine Aufgabe, die alle Gesellschaftsschichten und alle in Rotenburg existierenden Kulturkreise betrifft. Das erfordert Dialog- und Diskussionsfähigkeit und auch die Begegnung. Wir sind gefordert, wenn wir Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit begegnen, andererseits müssen wir auch in der lokalen Politik Diskussion und Begegnung fördern. Ein wichtiger Aspekt ist auch das Führen sachlicher Debatten in der Politik. Vertrauensverlust in Politik und Verwaltung durch mangelnde Transparenz fördert eine Distanzierung der Bürger von demokratischen Institutionen, deren Aufgabe es sein sollte im Sinne dieser Bürger zu handeln. Integration bedeutet auch, dass Politik und Bürger zueinander finden müssen. Wenn Politik und Bürger in zwei „Parallelgesellschaften“ existieren, die wenig Kontakt zueinander haben, kann die Politik ihre Aufgabe nicht erfüllen.

Bereiche, in denen Integration in Fragen der Kommunalpolitik eine Rolle spielt:

  • Kindertagesstätten
  • Grundschulen
  • IGS
  • Sozialer Wohnungsbau
  • Ausweisung neuer Wohngebiete
  • Verkehrspolitik
  • Kulturelle Veranstaltungen

 

(Autor: Marc Andreßen)

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