Nitrat bedroht Niedersachsens Trinkwasser

Die steigende Nitrat-Belastung durch die Landwirtschaft stellt nach Einschätzung von Experten auch eine zunehmende Gefahr für die Qualität des Trinkwassers dar. „Das Potenzial der Böden zum Nitrat-Abbau ist begrenzt“, sagte der Umweltmediziner Roland Suchenwirth vom Landesgesundheitsamt. Dass die Qualität des Trinkwassers in Niedersachsen derzeit noch sehr gut ist, hat laut Suchenwirth zwei wesentliche Gründe: Einerseits sei das Nitrat noch nicht im Trinkwasser angekommen, andererseits werde ein großer Teil des Landes mit dem nicht belasteten Wasser aus den Talsperren des Harzes beliefert. An anderen Orten sieht es schlechter aus. Bei rund der Hälfte der mehr als 65 Messstellen in den Wasserschutzgebieten im Landkreis Oldenburg zum Beispiel  wird der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter bereits überschritten. „Wir stellen seit 2006 steigende Nitratwerte an den oberflächennahen Grundwassermessstellen fest“, sagt OOWV-Sprecher Gunnar Meister.

Rotenburger Rinne ist ein Glücksfall

Niedersachsen profitiere im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern zudem davon, dass die meisten Trinkwasserbrunnen in einer sehr großen Tiefe lägen. Ein Beispiel dafür ist die Trinkwassergewinnung aus der Rotenburger Rinne. Hier wirkt der darüber liegende Boden derzeit noch wie ein Filter. Um jedoch die natürliche Abbaufähigkeit nicht komplett zu erschöpfen, sei es wichtig, dass der Nitrat-Eintrag begrenzt werde, betonte Suchenwirth Die neue Düngeverordnung sei ein erster richtiger Schritt.

Trinkwasser würde teurer werden

Sollten die Nitrate irgendwann bis zu den Trinkwasserbrunnen vordringen, hätte das nach Einschätzung des OOWV gravierende Auswirkungen. „Um sie herauszufiltern, müssten dann Entsalzungsanlagen gebaut werden“, sagt Meister. Dadurch würde sich der Wasserpreis für den Verbraucher von derzeit 90 Cent pro Kubikmeter auf circa 1,40 bis 1,60 Euro erhöhen. Um das zu vermeiden, versucht der OOWV, die Landwirte für die Problematik zu sensibilisieren und mit ihnen zusammenzuarbeiten. „Wenn überall bedarfsgerecht gedüngt wird und keine Nitrat-Überschüsse in den Boden gelangen, lässt sich das Problem in den Griff bekommen.

Derzeit geht die Tendenz jedoch zu einer stärkeren Belastung des Bodens und des oberflächennahen Grundwassers durch die Aufhebung der Sperrzeiten. Die Landesregierung hatte eine Sonderregelung verabschiedet, nach der Bauern auch im Winter Gülle auf „durchgängig bewachsene ebene Flächen“ ausbringen dürfen – auch wenn diese die Nährstoffe weder verarbeiten, noch mittelfristig speichern können.

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