Ratsfraktion der Grünen zu Besuch bei der IGS

Rotenburg: Das Thema IGS – Oberstufe „Pro und Kontra“ sorgt nicht nur in den Lokalmedien für Schlagzeilen. Grund genug für die Ratsfraktion der Grünen, sich ein Bild vor Ort zu machen.

Lebhaftes Gewusel einer Vielzahl von Schülerinnen und Schülern in der Aula der bisherigen Realschule – fragende Blicke und dann viele nette „Guten Tag“ oder „Hallo“ Begrüßungen für die doch unbekannte Besuchergruppe. Als Schulleiter Thiemer auftaucht steht zunächst ein Rundgang durch das Gebäude – Alt- und Neubau an. Während sich im Altbau vielfach der Zahn der Zeit erkennen lässt, strahlt der neue A-Trakt mit den groß geschnittenen Klassen- und Funktionsräumen durchaus Wärme aus. Gute Ausgangsbedingungen um die Konzeption einer integrierten Gesamtschule Wirklichkeit werden zu lassen. Aber bei weitem nicht optimal, so der Eindruck der Grünenpolitiker, Beispiele liefern die energetische Gebäudesituation, Barrierefreiheit, der Zugang zu den Behindertentoiletten, der Standort der geplanten Aufzuganlage, die Zahl der Sozialarbeiter, die Betreuung der EDV durch Vor-Ort-Administratoren im Zeitalter der Digitalisierung und natürlich der Schulhof, der sich nach einer Neugestaltung sehnt.

Steigende Schülerzahlen

„Unsere Schule und damit die Klassen wachsen stetig“, so Schulleiter Thiemer im anschließenden Gespräch in einem der neuen Lehrerzimmer. Rund 650 Schülerinnen und Schüler bilden die derzeitige IGS, dazu kommen noch die Schüler der zehnten Klassen der noch bestehenden Haupt- bzw. Realschule. Da auch die städtischen Grundschulen steigende Anmeldungszahlen auf-weisen, dürfte sich der Trend zu mehr Wachstum weiter verstärken.

Aber gleichzeitig steigen auch die Sorgen der jungen städtischen Schule. „Die Ablehnung der Oberstufe in der Ratssitzung hat im Kollegium, bei den Schülern und den Eltern zu einer riesigen Enttäuschung und Tränen geführt“, so die Lehrerin Jana Ortlieb. Besonders getroffen hat das Kollegium, das Herz der IGS, auch der Inhalt des Schreibens eines ehemaligen Oberstufenleiters des Ratsgymnasiums, in dem die Qualität ihres Unterrichts und ihre Notengebung angezweifelt wird.

Die große Unsicherheit („Wird es in Zukunft nun eine oder keine Oberstufe an der IGS geben?“) lässt sich allgegenwärtig spüren. „Wir haben dadurch schon potentielle Neueinstellungen verloren, wir dürfen nur Gymnasialkräfte, keine Grund-Haupt-Realschulkräfte einstellen“, so Thiemer. Eltern zeigen Ängste, bei Elternsprechtagen ist dies vielfach das dominierende Thema.

IGS braucht Oberstufe

„Eine IGS“, so Ulla Krause verantwortlich für die 9. und 10. Klassen, „lebt von der Mischung von starken und schwachen Schülern, Jeder lernt von Jedem. Dies sieht man nicht nur bei Spätentwicklern oder Kindern mit Migrations-Hintergrund. Gehen uns die starken Schüler durch Anmeldung an andere Schulen verloren, leidet die gesamte Konzeption“. „Für uns ist eine Kooperation mit dem Ratsgymnasium und dem Beruflichen Gymnasiums durch-aus möglich, das Schulsystem in Rotenburg wird nicht geschwächt, sondern gestärkt“, so Thiemer. Im Januar sind bereits Gesprächstermine angesetzt. Kopfnicken bei der Grünen-Fraktion. „Deutschland gelingt es mit seinem Bildungssystem immer noch nicht, gleiche Bildungschancen und damit gleiche Bildungsabschlüsse, unabhängig von der sozialen Herkunft, herzustellen, die aktuellen OECD-Berichte und der Sozialbericht des statistischen Bunde-samtes sprechen Bände“, so Ekkehard v. Hoyningen-Huene. „Wir brauchen, auch in Rotenburg, Jugendliche mit einer bestmöglichen Schulbildung. Eine umfassende Schulförderung ist die zentrale Antwort auf berufliche Erfolge und Teilhabe am Arbeitsmarkt. Und genau das ermöglicht eine IGS von einer 5. bis 13. Klasse! Dies müssten doch auch die Rotenburger Wirtschaftsverbände anerkennen“. Sehr anschaulich schilderten dann Jana Ortlieb und Ulla Krause die Umsetzung der IGS-Konzeption in der tagtäglichen Praxis mit all ihren Stärken und Schwächen. Hautnah wurde für die Besucher nachvollziehbar, mit wie viel Enthusiasmus vor Ort gearbeitet wird. „Es ist beglückend zu erleben, wie die Kinder selbstbewusst eigene Fähigkeiten entdecken und für sich und die Klassengemeinschaft Lern-erfolge erzielen, Begabungen gehen nicht verloren“, schildert Ortlieb ihre Erfahrungen.

Rückendeckung durch Grünen-Fraktion

Mit einem positiven Gefühl verließ die Ratsfraktion der Grünen die IGS. „Was in dieser Schule, unserer städtischen Schule, durch die Schulgemeinschaft bisher geleistet wurde, ist beispielhaft und verdient allerhöchstes Lob“, so Ratsherr Joachim Hickisch. Und für Elisabeth Dembowski, Fraktionssprecherin der Grünen, steht fest: „Für das engagierte IGS-Kollegium, deren Schülerschaft und Eltern muss es endlich berechenbare, vorhersehbare Ausgangsbedingungen geben. Die wichtigste ist für uns die Einführung der gymnasialen Oberstufe. Wir sichern unsere Unterstützung zu! Der Ansatz ist gut – das Ergebnis fehlt. Deshalb brauchen wir eine neue Abstimmung im Rat“.

Rotenburg, 17.12. 2018

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