Adolf-Hitler-Straße-Rotenburg

Adolf-Hitler-Straße-Rotenburg

Lübecks Umgang mit belasteten Straßennamen

In Rotenburg kommt immer wieder einmal die Diskussion zu „belasteten“ Straßennamen auf. Häufig geht es um Namen von Personen, die eine unrühmliche Rolle im dritten Reich gespielt haben. Während „Adolf-Hitler-Straße“ ind Rotenburg oder die Schlageterstraße in Visselhövede bereits unmittelbar nach dem Krieg ubenannt wurden, blieben viele Straßen weiter nach Personen benannt, die eine tragende Rolle im dritten Reich gespielt haben oder „Heldenfiguren“ des zweiten Weltkriegs waren.

In vielen Gemeinden und Städten ist die Diskussion um Namensänderungen ein fortlaufender Prozesse. Häufig hört man den Vorwurf, man würde „die Geschichte auslöschen“. und vergleicht die Umbenennung mit der politisch motivierten Retusche Trotzkis auf dem Bild mit Stalin oder mit der Arbeit des Protagonisten in George Orwells Roman 1984, der damit befasst war Personen und Ereignisse aus dem Kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft zu entfernen, indem er Bilder und andere Aufzeichnungen verbrannte.

Wie wir an der „Adolf-Hitler-Straße“ nachvollziehen können: die Umbenenung der Straße hat nicht dazu geführt, dass wir Adolf Hitler vergessen hätten. Auch in Visselhöveder ist Schlageter nicht vergessen – dazu trägt das Schlageter-Denkmal auf dem Höllenberg sicherlich bei.

Die Diskussion in Lübeck

Sechs Jahren hatte sich ein Arbeitskreis in Lübeck mit dem Umgang mit historisch belasteten Straßennamen beschäftigt. In einer Bürgerschaftssitzung am 31.01.2019fiel die Entscheidung: Die Straßen werden umbenannt – der Bauausschuss muss neue Namen finden.

Konkret ging es in Lübeck um den „Hindenburgplatz“, die „Pfitznerstraße“ und den „Lenardweg“. Mit den Stimmen der SPD, der Linken, der Freien Wähler, der Unabhängigen, der AfD und der Grünen stimmte eine große Mehrheit in der Lübecker Bürgerschaft für die Umbenennung. Gerade die Grünen hatten im Vorfeld durchblicken lassen, gegen eine Umbenennung zu votieren. Weil die Straßen jetzt mit Infotafeln versehen werden, die erklären, warum es zur Umbenennung kam, stimmten die Grünen ebenfalls zu. Wie die Straßen künftig heißen werden, ist noch nicht entschieden. Konkret ging es zum den Lenardweg, den Hindenburgplatz und die Pfitznerstraße

Lenard z.B.war ein überzeugter Antisemit, propagierte eine „arische Physik“ und war überzeugt, dass jegliche Fähigkeit zu naturwissenschaftlicher Erkenntnis allein „rassisch bedingt“ und somit der arischen Rasse vorbehalten sei. Einsteins Relativitätstheorie nannte er „Judenbetrug“.

Der Hindenburgplatz in Lübeck

Hindenburg wurde In erster Linie wegen seiner militärischen Leistungen im ersten Weltkrieg. Bei der Schlacht bei Tannenberg 1914 besiegte sein Heer eine zahlenmäßig überlegene russische Armee. So stieg zum Generalfeldmarschall auf. Er förderte maßgeblich die Verbreitetung nach dem Ende des Krieges die Dolchstoßlegende, wonach das deutsche Heer auf dem Schlachtfeld unbesiegt geblieben sei. Und schließlich war er später als gewählter Reichspräsident auch Staatsoberhaupt der Deutschen.
Mit seinen Notverordnungen, die er erließ, obwohl es keine Mehrheit im Reichstag gab, und der Einführung der Präsidialkabinette, die einzig von seiner Machtfülle abhängig waren, untergrub Hindenburg die Weimarer Verfassung und damit die Demokratie und ebenete damit dem Nationasozialismus den Weg. Die Dolchstoßlegende wurde über die Jahre weiter tradiert und mündete in einer Zunahme des Antisemitsmus und den politischen Morden er 20 Jahre unter anderem an Walther Rathenau, seinerzeit Reich-Außenminister. Ein damaliges Lied zeugt von der Wirkungsmacht der Dolchstoßlegende:

Der Rathenau der Walther
erreicht kein hohes Alter
Knallt ab den Walther Rathenau
die gottverdammte Judensau

Auch andere Städte befassten sich mit Hindenburg . 2014 berief die Stadt Hannover einen Beirat aus Fachleuten zur Überprüfung, ob es bei Personen als Namensgeber für Straßen „eine aktive Mitwirkung im Nazi-Regime oder schwerwiegende persönliche Handlungen gegen die Menschlichkeit gegeben hat“. Er regte die Umbenennung der nach Hindenburg benannten Straße an. Nach der Darstellung dieses Beirats habe Hindenburg „Hitler den Weg zur Macht geebnet und alle politischen Maßnahmen Hitlers mitgetragen“. Dies könne auch nicht dadurch relativiert werden, dass Hindenburg „nicht mehr Herr seiner Entscheidungen“ gewesen sei, denn diesbezügliche Thesen seien widerlegt. So kam es dann zur Umbenennung der Hindenburgstraße. Viele größere und kleinere Städte in Deutschland haben bereits Hindenburgplätze und -Straßen umbenannt. Nun auch Lübeck.

Einen guten Hintergrundartikel zur Hindenburg finden Sie hier .

Diskussion in Rotenburg

Auch in Rotenburg wird die Diskussion noch zu führen sein. Schlussendlich erndet sie im Prinzip nur durch eine Umbenennung der Straße, denn die Gründe und Fakten, die schon in anderen Städten zu einer Umbenennung geführt haben lassen sich nicht wegdiskutieren, sondern allenfalls in Lokalpalamenten mittelfristig überstimmen. Im Osten der Stadt gelegen sind die Hindenburgstraße, die Tannenbergstraße, sowie die Buhrfeindstraße über die in den kommenden Jahren sicherlich noch zu reden sein wird.



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